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Evolution

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Überleben ist, was Evolution betrifft, vollkommen überbewertet. Manchmal meinen Menschen ein Argument gegen blinde Mechanismen der Natur und für bewusstes Design und Steuerung darin gefunden zu haben, dass Menschen manchmal Dinge tun, die ihr Überleben nicht positiv beeinflussen. Zum Beispiel das Großziehen von fremden Kindern, oder sogar Vertretern anderer Spezies. Jede Mühe, die in die Aufzucht eines, aus dem Überlebensblickwinkel betrachtet, nutzlosen Hundebabys gesteckt wurde, fehlt in der Zeugung, Aufzucht, Verteidigung etc. des eigenen Nachwuchs. So ein Verhalten ist somit entgegen der Tendenz der natürlichen Zuchtwahl und muss daher durch andere Mechanismen entstanden sein.

Dieser Schluss ist selbstverständlich fehlerhaft. Es gibt zahlreiche Beispiele dafür, dass Organismen, obwohl in ihrer Form durch Evolution durch natürliche Selektion hervorgebracht, nicht optimal konfiguriert sind. Vertreter der menschlichen Spezies zum Beispiel, haben ein zu kleines Gebiss für die Anzahl der Zähne, die ihnen wachsen, ein Teil des Verdauungstrakts ist Nutzlos, birgt aber dennoch ein Infektionsrisiko das zum Tod führen kann, die Nervenbahnen die von optischen Rezeptoren im Auge zum Sehnerv führen sind über der Netzhaut angeordnet, was zu Schatten auf selbiger und zum sogenannten blinden Fleck führt und wahrscheinlich gibt es noch zahlreiche weitere, mit der sich Ärzte weltweit täglich abmühen müssen. Alle diese Unzulänglichkeiten sind vollkommen kompatibel mit der Evolutionstheorie nach Charles Darwin. Die Frage ist nicht, „Ist ein Organismus in der bestmöglichen Form, die er haben kann?“ sondern „Ist er in einer solchen Form, dass er sich erfolgreich reproduzieren kann?“. Und das sind die zur Zeit lebenden Organismen. Auch wenn sie nicht gut, besser, am besten sind, sie sind gut genug und mehr braucht es auch nicht.

Was soll aber der einleitende Satz in diesem Zusammenhang bedeuten, dass Überleben überbewertet ist? Niemand interessiert sich in der Natur dafür, wer wie lang überlebt. Das einzige was zählt ist, ob man sich erfolgreich reproduzieren konnte. Man denke nur an Lachse, die unter größter Mühe stromaufwärts schwimmen, laichen und sterben. Das ist ihrem Überleben absolut nicht zuträglich. Macht aber nichts, das worauf es ankam, aus evolutionärer Sicht, wurde geschafft, sich reproduzieren. Aber das Reproduzieren im Sinne von, der ganze Organismus, also zum Beispiel der ganze Lachs, wird, mit Variationen, vervielfältigt, ist auch nicht worauf es ankommt. Es ist so, dass das einzige was zählt ist, dass die Gene, die im Lachs sind, die ihn so machen, wie er ist, reproduziert wurden. Jedes einzelne Gen im Lachs fügt einen kleinen Beitrag hinzu, um ihn so zu machen, wie er ist, was dazu führt, dass es reproduziert wurde. Dem Gen für Ausprägung von Kiemen ist es egal, wie gut oder schlecht es dem Lachs geht, wenn er stromaufwärts schwimmt, oder ob er stirbt, nachdem er gelaicht hat. Das, worauf es ankam war, ob das Gen für Ausprägung von Kiemen vervielfältigt werden konnte und auch wenn das hier so formuliert wurde, als ob das Gen da im Lachs sitzt und sich überlegt, was wohl das beste für es ist, so ist es doch nur ein großes Molekül, ohne Gedanken, ohne Plan, ohne Bewusstsein. Dass der Lachs tut, was er tut, dass er aussieht, wie er aussieht, ist Resultat keines Plans, nicht den Überlegungen eines bewussten Wesens entsprungen, sondern Chemie und Mechanik.

Die Betrachtung aus dem Blickwinkel jedes einzelnen Gens, macht dieses anscheinende Fehlverhalten, artfremden Nachwuchs groß zuziehen, noch kompatibler mit der Evolution. Vor allem wenn man bedenkt, dass auch der, zum Beispiel Hund, dazu tendiert, artfremden Nachwuchs groß zuziehen. Es ist relativ problemlos möglich, dass eine Hündin die Welpen hat, auch noch zusätzlich ein Katzenbaby säugt und wie ihr eigenes Kind großzieht. Mensch und Hund und Hund und Katze und Katze und Lama und Lama und Ziege und Ziege und … so weiter tendieren also dazu, hin und wieder artfremden Nachwuchs groß zuziehen. Ist das zum Nachteil des ganzen Organismus? Eher ja. Was ist der ganze Organismus? Das Zusammenspiel aller Gene. Ist es zum Nachteil aller Gene? Nein! Das Gen, oder die Gene, die für dieses seltsame Verhalten verantwortlich sind, profitieren davon. Das Gen, dass dafür sorgt, dass Hunde auch Katzen großziehen, ich nenne es Gen X, überlebt, wenn Hunde Katzen groß ziehen. Überlebt es, wenn Hunde Organismen großziehen, die Gen X nicht haben? Nein. Und es würde mich überraschen ein Tier zu sehen, das Gen X nicht hat, und trotzdem von Vertretern einer anderen Spezies aufgezogen wird. Das Gen X ist wahrscheinlich für ein allgemeineres Verhalten, was Aufzucht angeht, verantwortlich und nicht so speziell auf Artfremdheit ausgelegt. Trotzdem profitiert das Gen für Aufzucht von Babys davon, Babys aufzuziehen. Babys die das nicht brauchen, zum Beispiel Schlangen, haben es nicht und werden auch nie ein Tier aufziehen. Nicht ihre eigenen Kinder und auch keine Vogelküken.

Alle Organismen, uns Menschen eingeschlossen, sind so wie sie sind, weil uns unsere Gene so machen und uns das wiederum dazu befähigt, selbige Gene zu reproduzieren. Oder um es mit den Worten von Richard Dawkins zu formuliert: Wir sind Fahrzeuge für unsere Gene.

  • Richard Dawkins, Selfish Gene, Oxford University Press, 2. Auflage, 1989.
  • Charles Darwin, Die Entstehung der Arten, Reclam, 1963.

Written by tweev

2010-07-26 um 4:12

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