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Kommentar zu „Bibel entert Biounterricht“

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Seltsamer Weise kann ich zu dem Artikel auf brightsblog nichts mehr posten, deshalb habe ich meine letzte Antwort hier geschrieben. Sobald das Problem behoben ist, wird im ursprünglichen Artikel verlinkt bzw. dieser Text dort hineinkopiert.


Verlauf der Diskussion:
Harald
Ich
Harald

Hallo Harald,

diese Auslegung des Wortes „Theorie“ ist keine Ausrede, sondern die im wissenschaftlichen Kontext gängige Interpretation. Im täglichen Sprachgebrauch ist das, was man unter „Theorie“ versteht, etwas anderes. Das führt oft zu Missverständnissen. Ähnlich wie das Wort „Quantensprung“ im wissenschaftlichen etwas sehr kleines ist, in der Alltagssprache aber fast ausschließlich für große Veränderungen, Fortschritte und der gleichen gebraucht wird.

Du hast Recht, dass sich nicht vorhersagen lässt, wie die Flora und Fauna in 10 Millionen Jahren aussieht. Es könnten klimatische Veränderungen auftreten, die Entwicklungen begünstigen, die wir nie vermutet hätten. Die Dinosaurier waren sicher auch überrascht, als sie, aller Wahrscheinlichkeit nach durch den drastischen Klimawandel, ausgelöst durch einen Kometeneinschlag, ausstarben.

Was man aber vorhersagen kann ist zum Beispiel, welche Fossilien man finden wird, wenn man so und so weit gräbt. Man stellt ich also hin, schaut sich den Boden an, sagt, wenn wir hier 20 Meter hinuntergraben erreichen wir eine Schicht aus dieser und jener Zeitperiode und da werden wir Fossilien von Tier so und so finden. Wenn wir 5 Meter weiter graben, werden wir kein einziges Fossil von Tier so und so finden. Und das bewahrheitet sich dann. Das ist aber nur ein sehr einfach Beispiel, ich bin kein Biologe. Die betreffende Fachliteratur ist da mit Sicherheit ergiebiger.

Verstreuung der Arten über den Planeten: Wie bereits oben erwähnt, bin ich kein Biologe, und es ist auch schon länger her, dass ich „Die Entstehung der Arten“ las. Aber es ist ungefähr so, und das hat Darwin selbst so beobachtet, dass landschaftliche Hürden und Grenzen auch Trennlinien zwischen den Arten sind. Zum Beispiel ist ein Kanal der eine Insel trennt eine Linie, über der Schildkröten leben die ein bestimmtes Charakteristikum zeigen zu jenen, die ein anderes haben und unterhalb des Kanals leben. Nun ist es aber so, dass der Lebensraum über und unterhalb des Kanals sich nicht unterscheidet, das heißt eine Schildkröte von oberhalb könnte sich problemlos unterhalb einleben. Die Vermutung die dank Darwin angestellt werden darf war, dass ursprünglich nur eine Schildkrötenart auf der Insel lebte, sich dann der Kanal bildete (zum Beispiel durch ein Erdbeben) und sich ab dann ober- und unterhalb zwei verschiedene Charakteristika durchsetzten. Klarerweise zwei unterschiedliche, denn wie du bereits erwähntest, sind die Mutationen die die Keime für neue Arten sind, zufällig.

Im Gegenzug dazu ist es zum Beispiel überhaupt nicht nachvollziehbar, warum ein Schöpfer oder ein natürlicher Prozess, der nicht wie Evolution durch natürliche Selektion funktioniert, in einem identischen Lebensraum zwei unterschiedliche Arten hätte platzieren sollen. Das wäre so, als ob jemand eine Schraube mit einem Schraubenzieher mit grünem Griff anzieht und die nächste, identische Schraube, mit einem identischen Schraubenzieher, aber mit rotem Griff. Die Vernunftbegabung dieses Menschen darf man wohl zu Recht in Frage stellen.

Ein Beispiel, wo sich eine Art aus einer anderen entwickelte ist der Hund, dessen Vorfahre der Wolf ist. Das kam allerdings nicht durch natürliche Selektion, sondern durch menschliche, der Mechanismus ist aber der selbe. Das Beispiel ist deshalb interessant, weil beide Arten noch leben und man so einen direkten Vergleich zwischen ihnen anstellen kann. Im Allgemeinen ist es nämlich so, dass die Vorgängerart ausstirbt, da die Nachfolgerart besser an die Umgebung angepasst ist und die Vorgängerart somit verdrängt.

Ein Beispiel für Evolution durch natürliche Selektion ist Aetiocetus und Wal.

Abschluss dieser Diskussion:

Wenn wir uns ehrlich sind, ist die Evolutionstheorie nach Darwin nicht sehr schwer zu begreifen. Was erstaunlich ist, wenn man bedenkt, wie wichtig und folgenreich sie ist. Auch was eine wissenschaftliche Theorie ist und vor allem, was sie nicht ist, ist nicht allzu schwer. Wenn du dir zwei bis drei gute Bücher zu Evolution und noch ein bis zwei zu Wissenschaftsphilosophie zu Gemüte führst, wirst du so unglaublich viel wissen und die vorhin von dir gestellten Fragen viel besser beantworten können.

Bevor die dieses Vorhaben startest, solltest du dir aber im Klaren sein, was deine Basis ist. Wenn du absolute Wahrheit und ultimative Antworten willst, dann ist deine Zeit wahrscheinlich besser investiert, wenn du einen beliebigen Glaubenstext hernimmst und diesen liest. Du musst nur ein paar Axiome akzeptieren und schon bist du für jeden, der diese Axiome ebenfalls akzeptiert ein Experte in quasi allem. Geologie, Biologie, Physik, Soziologie, Recht, Astronomie, Völkerkunde, Kriegsführung was weiß ich was. Der einzige Nachteil daran ist, dass diese Basis nicht in der Realität liegt, sondern in einer Phantasiewelt voller Djinns, Hexen, Magier, Göttern, Geistern, geflügelten Pferden und sonstigem was das Herz eines Tolkien- oder Lovecraft-Fans begehren könnte. Außerdem sind die Antworten die dann aus diesen Axiomen deduziert werden können oft nicht mit der beobachtbaren Realität vereinbar. In diesem Fall brauchst du ein großes Maß an Ignoranz und die Fähigkeit dich selbst und die Menschen in deiner Umgebung zu belügen. Zum Beispiel musst du in manchen Fällen anzweifeln, dass die Erde sich um die Sonne bewegt, oder dass Organismen mutieren können.

Wenn du Erkenntnisse lieber an der Realität festmachst, Belege für Aussagen über dieses Universum verlangst anstatt Zirkelschlüssen von Menschen zu lauschen, die keine Ahnung haben, von was sie da eigentlich reden, wenn du akzeptieren kannst, dass wenn du ein ganzes Leben in die Erforschung eines Teilaspekts einer Wissenschaft steckst, du immer noch praktisch nichts weißt, gemessen an allem was man weiß und noch potentiell wissen kann, dann bist du in der wissenschaftlichen Gemeinschaft herzlich willkommen und mit offenen Armen empfangen. Die Bibliotheken dieser Welt stehen dir offen.

Mit lieben Grüßen verabschiede ich mich aus dieser Diskussion,
Tweev.

Written by tweev

2009-11-02 um 22:09

Veröffentlicht in Aberglaube

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