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Moral

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Menschen haben eine fast einheitliche Vorstellung von Moral.

Lange Zeit glaubten wir, dass unsere Fähigkeit zwischen guten und bösen Handlungen zu unterscheiden, übernatürlich sei.

Forschung zeigte, dass sogar einige Tiere (z.B. Bonobos) in bestimmten Situationen Verhalten zeigen, welches auf ein Verständnis von Gerechtigkeit, Mitleid usw., also ein moralisches Verständnis, schließen lässt.

Manche Menschen wollen dies allerdings nicht wahr haben. Sie befürchten, dass wenn unsere Moral auf Irdischem basiert wird, sie zu willkürlich relativiert werden kann. Die Argumentation ist ungefähr die, dass wenn Moral nur ein Prozess in unserem Gehirn, oder dem eines Affen ist, warum soll dann das eine Verhalten besser oder schlechter sein? Muss es nicht einen außen stehenden Richter geben, der unsere Handlungen endgültig bewertet?

Ich kann mich dieser Argumentation nicht ganz verschließen. Wenn Moral tatsächlich Prozesse in unserem Gehirn sind, dann scheint die Beurteilung, was gut und was böse ist, von der Entwicklung unseres Gehirns abzuhängen. Es gebe als keinen allgemeingültigen Maßstab.

Nehmen wir an, dass Menschen keine Primaten wären, sondern weil die Evolution so verlief, wir Ratten sind. Rattenweibchen haben die Fähigkeit die Embryos ihrer Jungen zu verdauen. Dies wird in Hungerperioden eingesetzt in denen die Jungen ohnehin sehr wahrscheinlich gestorben wären und die Mutter ein höheres Risiko hätte, ebenfalls zu verhungern, wenn sie ihre Energie in das Wachstum der Embryonen steckte. Angenommen wir hätten diese Fähigkeit aufgrund unserer Rattenvorfahren auch, würden dann weniger Menschen ein moralisches Problem mit Abtreibung haben? Wahrscheinlich schon. Eine Frau die schwanger ist, dies aber nicht möchte, geht einfach für ein paar Wochen auf Diät und weg sind die 12 Babys.

Aber warum, wenn gut und böse so relativ zu sein scheinen, haben wir dann auch nur einen Grund, uns gemäß unserer vererbten Moralvorstellung zu verhalten?

Nun ja, wir wissen heute genauso, dass Schmerz nur bio-chemisch-elektrische Reaktionen in unseren Nervenbahnen und Gehirn ist. Relativiert das den Schmerz in irgendeiner Form? Nein, Schmerz ist was er auch vorher schon war, nur wissen wir jetzt, was er ist. Trotzdem wird sich unsere Einstellung ihm gegenüber nicht verändern. Wir werden versuchen ihn so gut wie möglich zu vermeiden, oder, wenn es zu spät ist so gut wie möglich zu lindern.

Warum soll das bei Moral nicht so sein? Warum soll das genaue Wissen, wie z.B. Mitleid funktioniert das Mitleid an sich ändern? Wieso sollten wir uns entgegen unserer Moral verhalten, nur weil wir genau wissen, was sie ist, bzw. wie sie funktioniert? Es mag sein, dass wir von dem Gedanken Abschied nehmen müssen, dass es universell Gutes oder Böses gibt, dass es einen einheitlichen, absoluten Maßstab für so etwas gibt, aber trotzdem haben wir ein Gefühl für gut und böse. Ein Handeln entgegen unserer Moral tut uns genauso weh, vielleicht sogar auf eine noch unangenehmere Art und Weise, wie uns eine Verletzung schmerzt.

Written by tweev

2008-11-09 um 17:14

Veröffentlicht in Philosophie

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