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Ein göttlicher Plan

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In Diskussionen mit gläubigen Menschen hört man immer wieder von Seiten der Gläubigen, dass die Vorstellung, die eigene Existenz sei nur ein kosmischer Zufall, unbefriedigend ist. Es sie erfüllender, wenn ein Wesen jemanden bewusst gewollt hat, wenn man selbst kein Zufall ist, sondern der Wunsch von jemanden. Der Wunsch der eigenen Eltern ist offensichtlich nicht genug. Das ist ok, es soll auch die Möglichkeit offen gelassen sein, dass selbst die biologische Zeugung durch die eigenen Eltern ungewollt und zufällig ist.

Das ist natürlich kein Beweis, dass dieses Wesens, meistens wird es „Gott“ genannt, existiert. Es ist ja nicht einmal ein Bekenntnis dazu, dass man an die Existenz dieses Wesens glaubt. Es ist ein Wunsch. Nun, wünschen kann man sich viel. Ist die Vorstellung eines göttlichen Schöpfers, der unser Leben beginnen lässt und später korrigierend eingreifen kann, aber wirklich wünschenswert?

Stellen wir uns folgende Situation vor: Man ist in einer glücklichen Beziehung mit einem Menschen, man liebt sich. Man sitzt an einem schönen Sommerabend draußen und betrachtet Arm in Arm gemeinsam die Sterne. Welche Aussage des einen liebenden Menschen zum anderen ist erfüllender, schöner, romantischer?

A) Weißt du, dass wir hier gemeinsam sitzen, unser Zusammensein, unsere Liebe, unsere Zuneigung, das war alles ein göttlicher Plan. Gott wollte, dass wir uns treffen und er hat die Geschicke der Welt so verändert, dass es passiert. Wir konnten gar nicht anders sein, als wir es gerade sind, denn das ist der Plan, der für uns vorgesehen wurde. Und wenn wir uns doch anders entschieden hätten, hätten wir den Plan nicht erfüllt.

B) Siehst du die Sterne? Ist es nicht unglaublich, dass wir beide hier gemeinsam sitzen können und tausende von Jahre in die Vergangenheit blicken? Wir sehen hier gerade Licht, dass ausgesendet wurde, als unsere Vorfahren in der Steinzeit entdeckt haben, wie man Faustkeile produziert. Was wenn sich ein Ur-ur-ur-ur-ur…-Großvater und eine Ur-ur-ur-ur-ur…-Großmutter von dir oder mir nicht getroffen hätten? Dann wären wir jetzt nicht hier. Oder irgendein anderer Zeitpunkt in unserer Ahnenschaft, sogar bis zurück zu primitiven Säugetieren. Alles hätte anders kommen können und trotzdem haben wir beide das unglaubliche Glück, uns gefunden zu haben. Jede Sekunde der Geschichte, die anders verlaufen wäre als sie verlaufen ist, hätte dazu führen können, dass einer von uns beiden jetzt nicht hier ist. Aber wir hatten Glück.

Jeder hat natürlich ein Recht auf eine eigene Meinung, aber ich finde B schöner. A hat in meinen Augen etwas deterministisches. Angesichts der Tatsache, dass alles von Anfang an geplant war, bleibt wenig Platz für Individualität. A hat für mich Ähnlichkeit mit einer Erbschaft, auf die man schon seit Jahren wartet. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die reiche Tante stirbt und man endlich kassieren kann. Danke, auf Wiedersehen. B hingegen ist wie bei einem Glücksspiel zu gewinnen. Man setzt auf eine Zahl und alles ist möglich. Jede Zahl kann kommen, aber man hat das enorme Glück, dass die eigene getroffen wird.

PS: Nur der Vollständigkeit wegen möchte ich Anmerken, dass Evolution durch natürliche Selektion selbstverständlich kein Glücksspiel ist. Das Überleben ist für das Einzelindividuum natürlich von Chancen geprägt, zum Beispiel die Chance vom Blitz getroffen zu werden. Der über Milliarden von Jahren andauernde Prozess der Bildung von Arten ist aber kein Glück, sondern ein schlichtes Regelwerk.

Written by tweev

2008-09-11 um 22:17

Veröffentlicht in Philosophie

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